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Giacomo Puccini - Tosca
Melodramma in drei Akten


Die Royalistin Tosca liebt den Republikaner Cavaradossi.
Das ist die Ausgangssituation für eines der schönsten und vor allem beliebtesten

Opern-Liebes-Dramen überhaupt.

Bevor wir loslegen, müssen aber ein paar Eck-Daten geklärt werden.

Wieso ist es schlimm, wenn eine Royalistin einem Republikaner verfallen ist?


Die Vorgeschichte
Für alle, die schon im Geschichtsunterricht nicht zuhören wollten,

könnte dieser Absatz etwas anstrengend werden. Sorry!


In den Jahren ab 1798 war Rom ein ungemütlicher Ort.

Erst eroberten französische Truppen im Februar den Kirchenstaat und errichteten eine Republik.

Ein Jahr später im Juni übernahmen dann russisch-österreichische Truppen die Macht,

und schickten die Franzosen heim. Drei Monate später marschierte schließlich die neapolitanische

Armee ein – und schaffte die Republik kurzerhand wieder ab.
Und wehe dem, der adann noch auf der falschen Seite stand! Republikaner wurden gejagt und

brutal inhaftiert, Folter und Mord inklusive. Soweit die wahre Historie.

An der Spitze dieser Hetzjagd auf Republikaner steht in Puccinis Tosca eine fiktive Figur:

Baron Scarpia! Er befehligt die Geheimpolizei und zieht die Fäden seines Spinnennetzes vom

berühmten Palazzo Farnese aus.

Am 14. Juni 1800 trafen im norditalienischen Marengo dann die französischen Truppen

Napoleons und die Alliierten Mächte der europäischen Aristokratie unter Führung Österreichs

krachend aufeinander. Im Laufe der nun folgenden Nacht, in der Puccinis Oper spielt,

werden zwei Meldungen über den Ausgang dieser Schlacht eintreffen, die erste gleich im ersten Akt:
Sieg über die Franzosen! Es lebe Maria Carolina, Königin von Neapel!


Zu Ehren dieses Triumphes ordnet die Königin ein Fest in Scarpias Trutzburg, pardon,

in seiner Residenz an – dem Palazzo Farnese. Auf diesem soll auch die berühmte Sängerin Floria Tosca

singen, die bekennende Royalistin.


Soviel Geschichtsunterricht muss sein. Und mit diesem Wissen stürzen wir uns direkt in die Handlung der Oper:







Akt 1: Sant’Andrea della Valle

In der römisch-katholischen Titelkirche, mitten in Rom


Angelotti, der ehemalige Konsul der Römischen Republik konnte aus dem Gefängnis in der

Engelsburg fliehen und versteckt sich – gefoltert, ausgehungert und in Lumpen gehüllt – in der mächtigen Kuppelkirche, und zwar in der abseits gelegenen Privatkapelle der Familie Attavanti.

Der Maler Mario Cavaradossi, wie wir wissen Republikaner und – als wäre das nicht schlimm genug – auch noch

Freund des Angelotti, werkelt im Inneren der Kirche am Bildnis der Maria Magdalena. Vorbild

für die schönen Gesichtszüge ist ihm eine fremde Frau, die jeden Tag betend in die Kirche kommt.

Ihr widmet er auch gleich seine erste Arie („Recondita Armonia“), versichert aber, er liebe

wahrhaft nur eine Frau auf der Welt: die Sängerin Floria Tosca!


Der schlecht launige Mesner bringt Cavaradossi einen Korb mit Essen und Trinken, beschwert sich

aber lautstark über die politischen Neigungen des Malers, und dass er dem Altarbild die Züge einer lebenden

Frau aufmalt. Der Mesner verschwindet wieder, und Angelotti zeigt sich seinem Freund, Mario.

Dieser verspricht sofort, dem geschundenen Mann zu helfen und verriegelt die Kirchenür.
Da erscheint Tosca vor der Kirche und poltert gegen das Portal. Verschlossene Türen per se reichen

bei manchen Frauen schon für einen Eifersuchts-Anfall. Cavaradossi drückt dem Flüchtling seinen Korb

mit Essen in die Hand und versteckt ihn noch einmal in der Familienkapelle.


Der Maler schafft es, das aufbrausende Temperament seiner geliebten Tosca zu beruhigen.
Nein, er betrügt sie nicht. Da entdeckt die Sängerin das Altarbild. Dieses Gesicht!?

Das ist doch die ... Gräfin Attavanti! Das nächste Eifersuchtsdrama. Aber nicht, dass wir uns

falsch verstehen: Tosca ist keine Zicke, eher die typische Diva. Immerhin ist sie

Opernsängerin... Als armes Hirtenmädchen aufgewachsen und von Benedektinernonnen großgezogen,

allein dank ihrer Stimme berühmt geworden ist sie eine PRimadonna durch und durch.
Was uns Puccini als Komponist damit sagen will, muss jeder für sich entscheiden ;-)


Jedenfalls bleibt fraglos bestehen: Die Liebe zwischen Maler und Sängerin ist pur und wahr.

So verzeiht Cavaradossi seiner Tosca ihre feruigen Ausbrüche, küßt sie und schiebt sie zur Tür hinaus.

Immerhin versteckt er einen Flüchtling, um den er sich dringend kümmern muss! Dieser hat alles

mit angehört und verrät Cavaradossi, wieso die schöne Gräfin Attavanti jeden Tag zum Beten kommt:

Um ihrem Bruder zur Flucht zu verhelfen, hat sie Frauenkleider in der Kapelle versteckt.

Ein donnernder Kanonenschuß aus der Ferne macht den beiden klar, dass Angelottis Flucht aus der

Engelsburg soeben bemerkt wurde. Schnell hilft Cavaradossi dem Ex-Konsul aus der Kirche, um ihn bei

sich in seinem Haus zu verstecken.



Der übelgelaunte Mesner kehrt zurück, mit der Nachricht vom Sieg der österreichischen

Truppen bei Marengo!
(Wir erinnern uns:
Sieg über die Franzosen! Es lebe Maria Carolina, Königin von Neapel!)

Ein Triumph für die Royalisten.

Da betritt der düstere Polizeichef Scarpia die Kirche. Er hat Angelottis Verfolgung aufgenommen –

bis hierher, in diese Kirche!

Er lässt das Gotteshaus durchsuchen und findet tatsächlich in der Kapelle der Attavantis einen Fächer

und den leer gegessenen Delikatessen-Korb. Da fällt Scarpias Blick auch noch auf das Altarbild:

Wer hat das gemalt, dieses Portrait der Gräfin Attavanti? In Scarpias Kopf fügen sich die Fakten: Cavaradossi

und die Attavanti stecken unter einer Decke und helfen dem flüchtigen Ex-Konsul!

Tosca kommt in die Kirche dazu, um ihrem Geliebten zu berichten, dass sie heute abend zu

Ehren des Sieges der Royalisten singen werde. Aber statt auf ihren Mario stößt sie auf Scarpia,

der sich ihr auch sofort nahezu aufdringlich nähert. Offensichtlich hegt er ein faible für die

schöne Sängerin. Berechnend zeigt er ihr den Fächer und beobachtet schlangenhaft ihre neuerliche

Eifersucht. Sie rauscht ab, um Mario samt Geliebte in seiner Villa inflagranti zu erwischen.

Scarpia schickt ihr drei Häscher hinterher – und betet das „Te Deum“.

In seiner Version ein wenig keusches Flehen: Möge Cavaradossi am Galgen enden – und Floria Tosca in

seinen, in Scarpias Armen!

Das protzige (und fantastische!) Te Deum ist übrigens eines der Beispiele dafür, wie sich Puccini in die Arbeit an seiner Oper hineinhängte: Er studierte die Melodie des gregorianischen Te Deum nach römischem Ritual, um möglichst viel Authentizität in seine römische Oper zu bekommen.
Mehr noch: Er reiste schließlich selber nach Rom, um dort das Glockengeläut rund um Engelsburg und St. Peter zu erfahren. Diese Eindrücke verwendete er später im Beginn des dritten Aktes.







Akt 2: Palazzo Farnese


Abends in Scarpias Büro, einem prunkvollen Zimmer im oberen Stockwerk des Palazzos.

Scarpia ißt zu Abend, wirkt aber sichtlich aufgeregt...


Der Polizeichef trägt einem Diener auf, die Sängerin Tosca nach ihrer Ehren-Kantate abzufangen

und zu ihm zu bringen. Der Diener solle ihr einen Brief überbringen.
„Sie wird kommen. Aus Liebe zu ihrem Mario!“


Scarpias Spitzel, Spoletta, tritt ein.

Er berichtet, dass er am Nachmittag der Sängerin bis zu einer Villa gefolgt ist und ins Haus eindrang.

Von Angelotti keine Spur, aber der Maler Cavaradossi war dort! Er hat ihn verhaftet, denn, so führt Spoletta

weiter aus,  sicher weiß der Maler wo Angelotti sich versteckt hält.


Während Floria Tosca im Innenhof des Palazzos ihre Kantate singt, lässt Scarpia den Maler vorführen

und befragt ihn nach Angelotti. Aber Cavaradossi leugnet, etwas mit dessen Flucht zu schaffen zu haben.

Da tritt Tosca ein, ihr Auftritt ist zu Ende. Sie stürzt in Marios Arme, der ihr leise ins Ohr flüstert:
„Schweig’ über das, was du heute gesehen hast, sonst tötest Du mich!“


Scarpia lässt Cavaradossi zur Folter abführen...


Es folgt eine grauenvolle Szene.
Tosca muss mitanhören, wie im Nebenzimmer ihr Mario gefoltert wird!
Immer wieder dringen seine Schmerzensschreie durch die Tür, bis Tosca zusammenbricht

und Scarpia gesteht: Angelotti hält sich im Brunnen von Cavaradossis Villa versteckt...
Der Maler wird blutüberströmt hereingeführt – und Scarpia offenbart ihm genussvoll, dass Tosca

ihn verraten hat. Da trifft eine neue Nachricht vom Schlachtfeld in Marengo ein: die erste
Meldung ist hinfällig. Napoleon hat doch über die Österreicher gesiegt!

Cavaradossi jubelt. Zur Strafe befiehlt Scarpia seine Hinrichtung.

Eine Nacht des blanken Horrors für Tosca! Schon verkünden Trommeln aus dem Innenhof des Palazzo,

dass heute nacht ein Verräter gehängt werden wird...

In tiefer Verzweiflung singt sie ihren berühmten Monolog „Vissi d’arte“:

,Ich lebte für die Kunst, lebte für die Liebe,

tat keinem Lebewesen was zuleide!

Mit diskreter Hand

habe ich, wo ich Elend sah, geholfen.
Warum, warum, o Herr

dankst du mir das so?‘



Währenddessen kehren Scarpias Spitzel von der Hetz zurück: Angelotti hat sich das

Leben genommen, kurz bevor er verhaftet werden konnte.


Tosca bettelt bei Scarpia um Gnade, und tatsächlich schlägt dieser einen widerlichen Pakt vor:
Wenn sich die schöne Tosca eine Nacht lang Scarpia hingibt, würden dafür beide – Maler und Sängerin –

verschont werden und dürften mit einem Brief, der sicheres Geleit garantiert, Rom verlassen.
Tosca, vor dem emotionalen Abgrund stehend weiß sich und ihrem Geliebten nicht anders zu helfen...

und willigt ein.
Nun folgen die Details von Scarpias Plan, die er sich vermutlich schon lange vorher im

Geiste ausgemalt hatte: Cavaradossi müsse erschossen werden – aber nur zum Schein! Es solle,

so lautet der Befehl den er umgehend gibt, genauso verfahren werden wie schon einmal

beim Grafen Palmieri. Dann stellt Scarpia den Passierschein für Tosca und Cavaradossi aus.

Während er schreibt, geht Tosca zum Tisch, um einen Schluck Wein zu trinken.

Da fällt ihr Blick auf das Messer, mit dem Scarpia vorhin noch gegessen hat. Sie nimmt es heimlich und

versteckt es hinter ihrem Rücken. Als Scarpia den Freibrief fertig geschrieben und mit seinem

Siegel beglaubigt hat, will er Tosca endlich an sich reißen – da stößt sie ihm das Messer in die Brust.

Der Mut, geboren aus abgrundtiefer Verzweiflung schlägt in Hass um – und sie schreit

dem Sterbenden ins Gesicht: ‚Erstickst du im Blut? Stirb, Verdammter! Stirb! Stirb!’

Dann ordnet sie sich die Haare, wischt sich die Finger ab und geht – dreht sich nur noch einmal

um und legt dem Toten ein Kruzifix auf die Brust, ganz die tiefgläubige Nonnenschülerin, die sie einmal war.



Akt 3: Castel Sant’Angelo, die ‚Engelsburg’


Ein neuer Morgen dämmert über Rom herauf. Ein Hirte singt weit entfernt ein Klagelied,

ein Aufseher entzündet eine Laterne, alles wartet.


Mario Cavaradossi wird von einem Trupp Wachen auf das Dach der Engelsburg gebracht.
Innerlich auf seine Exekution vorbereitet, beginnt einen letzten Brief an seine über
alles geliebte Tosca zu schreiben...
Aber nach ein paar Zeilen wird er von der Erinnerung überwältigt und singt eine der berühmtesten
Puccini-Arien überhaupt: „E lucevan le stelle,“ – und es leuchteten die Sterne... 
Bebend erinnert er sich an Toscas Liebe, ihre Küsse:
Und es leuchteten die Sterne,
und es duftete die Erde … es knarrte

die Gartentür

und Schritte streiften über den Sand.

Sie trat ein, duftend, sank mir in die Arme.

Oh! Süsse Küsse...
Für immer ist mein Liebestraum verflogen ...

Die Stunde ist vorbei

und ich sterbe verzweifelt!’


Neben dem berühmten (gleichwertigen?) „Nessun dorma“ aus

Puccinis Turandot ist diese Arie so ziemlich das schönste und ergreifendste, was ein Tenor

in seiner Karriere auf der Bühne singen kann.


Da betritt Tosca das Dach der Engelsburg. Sie zeigt Cavaradossi den Freibrief und erklärt ihm,
was zu tun sei: Wenn die Soldaten schießen, muss Cavaradossi sich auf den Boden werfen und tot stellen.

Wenn dann alle weg sind, können er und Tosca fliehen.


Das Erschießungskommando bezieht Stellung. Die Sängerin versteckt sich im Hintergrund...
Die Soldaten legen an und feuern. Tosca jubelt leise, wie perfekt sich ihr Mario fallen lässt.

Als die beiden alleine sind läuft sie zu dem Maler und entdeckt: er ist tot! Erschossen!
Scarpia hat sie betrogen. Er wollte sie nie fliehen lassen.


In diesem Moment stürmen auch die Spitzel des Geheimdienstchefes das Dach –
Toscas Mord ist mittlerweile entdeckt worden. Sie laufen auf die Frau zu, die in dieser Nacht alles

verloren hat, was ihrem Leben Sinn gab...
Und in einem letzten Aufbäumen schreit sie in die Morgendämmerung Roms:
‚Scarpia – wir sehen uns vor Gott!’ ... und springt vom Dach der Engelsburg in den Tod.


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Tipps der „OPERA BAVARIAE“-Redaktion:
DIE MÜNCHNER INSZENIERUNG


Die beste Einspielung:
Victor de Sabata & Orchestra + Coro del Teatro alla Scala di Milano
Maria Callas, Giuseppe Di Stefano und Tito Gobbi

Wenn Sie möchten, hier der Link zu iTunes:




... oder natürlich erhältlich in der weltbesten Klassik-Abteilung, bei Ludwig Beck am Rathaus !



Die beste Verfilmung:

Franco Zeffirelli (Deutsche Grammophon)
Angela Gheorghiu, Roberto Alagna (die beiden sind übrigens im echten Leben
verheiratet! Das gibt allen Tenor-Sopran-Liebesszenen einen Touch Gefühl

mehr, finden wir! Wann sind die zwei Liebenden auf der Bühne schonmal
wirklich verliebt? Oder andersrum: Welches Glück muss es für eine der

besten Sängerinnen sein, einen der besten Tenöre zu lieben und so oft mit

ihm singen zu dürfen?!)

... und Ruggero Raimondi als Scarpia  - EIN WIRKLICH GROßARTIGER FILM!


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