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Giuseppe Verdi - La Traviata
Melodramma in vier Akten



Inhaltsangabe:

Der Komponist Giuseppe Verdi muss irgendwann im Jahr 1852 in Paris im Theater gewesen sein.
Und nicht nur er – die halbe Stadt war verliebt in ein Theaterstück, dass es zuerst im Thèâtre de la Vaudeville
zu sehen gab: Die Kameliendame, von Alexandre Dumas. Die Zuschauer liebten die herzzerreißende
Geschichte der jungen Kurtisane, die als Midinette, also Modeverkäuferin, ins Berufsleben startet, schnell
aber ob ihrer Schönheit zu einer berühmten Kurtisane aufsteigt, ausgehalten von den Reichen und
Adeligen der glitzernden Seine-Metropole, bis sie mit 23 Jahren ihrer Lungenkrankheit zum Opfer fällt –
basierend auf dem echten Leben der Marie Duplessis. Dumas tauschte nur den Namen gegen Marie Gautier und nannte sein Werk ,Die Kameliendame‘. Denn die Kurtisane Marie trug stets ein Sträußchen Kamelien
in der Hand, oder eine einzelne Blüte ans Dekolletté geheftet.
Auch Verdi muss von dem Theaterstück gerührt gewesen sein, und beschloss daher, den Stoff als
Oper zu vertonen. Allerdings reduzierte er die Anstößigkeit der Kurtisane auf ein für ihn erträgliches Niveau.
Verdi, Moralist durch und durch, skizziert die frivolen Abgründe seiner Kameliendame nur schemenhaft.
Das Sujet – die Pariser Halbwelt – wird zur entschlackten Milieustudie der Gesellschaft. Zwei Liebende, ein
junger Narr und eine Dirne, die in wahrhaftiger Liebe zueinander entbrennen, versuchen den Zwängen und
Augen der Gesellschaft zu entfliehen. Sie „verstecken“ sich auf dem Land, aber das Schicksal holt sie ein –
in der Figur des Vaters des jungen Mannes. Er will seinen Sohn von der Hure loseisen, fürchtet um den
guten Ruf seiner Familie. Die Kameliendame gibt seinem Drängen nach und gibt den jungen Mann  frei,
um schließlich an diesem selbstlosen Schritt zu zerbrechen...



1.Akt

Im Salon der angesehenen Kurtisane Violetta Valery

Nach der wundervoll melancholischen Ouvertüre, in der zwar kurzzeitig
eine gewisse Fröhlichkeit aufflackert, die aber an sich das Schicksalhafte der gesamten
Oper bereits vorwegnimmt, finden wir uns in einem Pariser Salon ein,
zu einem rauschenden Ball. Gastgeberin ist die Kurtisane Violetta. Anlass ist ihre
Genesung nach langer (nicht genauer definierter) Krankheit.
Eine Kurtisane, heute würde man Edel-Nutte sagen, ist eine der wenigen
Möglichkeiten für eine Frau damals – unabhängig von ihrem angeborenen
gesellschaftlichen Rang – in die vornehmen Kreise der Pariser Gesellschaft aufzusteigen. 
So gesehen hat es Violetta geschafft: Schönheit, Reichtum, Akzeptanz.

Auf ihrem Fest wird Violetta ein junger Mann aus der Provence vorgestellt:
Vicomte (eine Art Graf) Alfredo Germont. Er hat schon des längeren ein Auge
auf die wunderschöne Kurtisane geworfen, die aber momentan Maîtresse
des Baron Douphol ist – und Alfredo bisher wenig Aufmerksamkeit schenkte.
Als der Baron aufgefordert wird, einen Trinkspruch auf das schöne Fest
und die noch schönere Gastgeberin zu sagen, springt Alfredo ein. Es folgt eine der
berühmtesten Verdi-Melodien überhaupt: das Brindisi. Die erste
Strophe, eine Hymne auf die Liebe, singen Alfredo und Chor, dann steigt die nun
auf den jungen Mann neugierig gewordene Violetta ein. Hinter dem
Gläserklirren der Champagner-Schalen versteckt sich das erste vorsichtige
Beschnuppern der beiden. Und der junge Mann gefällt Violetta durchaus.


Als sich die Gäste in den Salon eine Tür weiter zum Tanzen begeben, greift sich
Violetta plötzlich ans Herz. Ein Schwächeanfall.
‚Was hast Du?’ – ‚Nichts, nichts, geht nur...’
Und so bleiben der besorgte Alfredo und die zitternde Violetta zu zweit im Raum.
Der junge Vicomte nutzt die Gunst der Stunde und gesteht Violetta, dass er sie liebt.
Doch spielerisch weist sie ihn zurück, innerlich wie äußerlich wankend.
Immerhin ist sie professionelle Kurtisane – was soll sie da mit einem ernsthaft
verliebten jungen Mann?
Doch sie ist berührt von Alfredos Worten und schenkt ihm eine  Kamelienblüte.
Er darf sie wieder besuchen, wenn die Blüte welkt.
‚Also morgen schon?’ – ‚Ja, morgen.’
Die Gäste verabschieden sich, alle gehen, auch Alfredo, nur Violetta bleibt alleine zurück.
In einem wunderschönen, bittersüßen Monolog reflektiert sie ihr Leben:
‚Wäre eine ernsthafte Liebe Unglück für mich?
... Torheit ... eitler Wahn ist das!

Arme Frau, einsam, verlassen in dieser dichtbevölkerten Wüste,

die man Paris nennt; was erhoffe ich mehr?
Immer ungebunden muss ich mich von

einem Vergnügen zum nächsten treiben lassen!’

In ihre manchmal trotzige, manchmal unglückliche Arie mischt sich die Stimme des Tenors,
der unten unter ihrem Fenster steht und ihr zum Abschied zuruft.
Es ist zum Heulen schön!




2.Akt

Ein Landhaus, außerhalb von Paris

Seit dem Pariser Fest ist einige Zeit vergangen. Violetta hat schließlich Alfredos
Werben nachgegeben und ihrem Leben als Kurtisane entsagt. Die beiden
lieben sich tief und aufrichtig. Alles könnte so schön sein – wären da nicht Geldprobleme.
Das Einkommen als Prostituierte fällt ja nun weg. Und der Vicomte, Sohn reicher
Eltern, hat sich wahrscheinlich in seinem ganzen Leben noch nie gefragt, wo Geld
eigentlich herkommt. Und so finanziert Violetta ganz allein das Liebesglück
mit dem naiven Mann. Das kann sie aber nur, indem sie nach und nach alles verkauft,
was sie besitzt. Schmuck, Immobilien – die Liebe in diesem Fall ist ein
kostspieliges Unterfangen.
Als Alfredo von
Annina, der getreuen Zofe, erfährt wie es um Violettas Finanzen steht –
nämlich schlecht – macht er sich sofort auf den Weg nach Paris um Geld zu beschaffen...

Da tritt Germont auf, Alfredos Vater. Er ist tief unglücklich über die Liaison mit der
Hure – und möchte seinen Sohn überzeugen, sie zu verlassen. Einmal, um das Familienerbe
zu schonen, Huren kosten schließlich Geld, andererseits, weil der Vater fürchtet,
wenn sich herumspricht, dass sein Sohn ein ach-so-verwerfliches Leben führt, könne
dessen Schwester nicht standesgemäß verheiratet werden.
Vater Germont erfährt von Violetta, dass sie keineswegs auf das Geld der Familie aus ist,
sondern im Gegenteil das Leben mit Alfredo ganz alleine finanziert.

Aber es hilft nichts: Der Vater bittet Violetta so lange, seinen Sohn freizulassen,
bis sie einwilligt. Sie will der Familie des Vicomte keine Schande sein. Unter einer
Bedingung: Violetta weiß, dass sie todkrank ist. Und so muss Germont
versprechen, nach ihrem Tod dem Sohn die Wahrheit zu sagen, warum Violetta ihn
plötzlich verlassen hat. Germont ist tief ergriffen von dem reinen Herzen der Kameliendame
und verabschiedet sich indem er die edle Frau segnet.
Doch was hilft das Violetta – sie ist am Boden zerstört, und das zu Recht. Ihr Traum, aus dem
früheren Leben auszusteigen und Glück zu finden, zerbricht an den scharfen Klippen
der Gesellschaft. Und dann ist da ja noch diese ominöse Krankheit, die sie immer wieder befällt...
düstere Schicksalsschatten legen sich auf ihre arme Seele.


Was nun?
Violetta schreibt ihrer Freundin Flora, dass sie auf deren Einladung folgen und heute Abend
zu ihrem Ball kommen werde. Diese Entscheidung markiert den tieftraurigen Entschluß
der Verstoßenen, wieder in ihr altes Leben als Kurtisane zurückzukehren.
Dann schreibt Sie Alfredo einen Abschiedsbrief. Ihm in die Augen zu sehen, wenn sie ihn
verlassen muss, bringt sie nicht über sich. Sie reist sofort ab.


Als Alfredo später den Brief liest und erfährt, dass sich Violetta gegen ihn und für ihr früheres Leben
entschieden hat, hilft es auch nichts, dass der Vater den Sohn liebevoll überzeugen will,
zurückzukehren in den Schoß der Familie. Alfredo weiß, wohin Violetta will:
Er hat die Einladung zu Floras Fest gesehen. Dort will er sie wiedersehen...




3.Akt

Im Salon der Madame Flora

Wieder ein rauschendes Fest, wieder beobachten sich Violetta und Alfredo wie
im ersten Akt aus der Distanz. Violetta ist mit ihrem früheren Freier, pardon, Liebhaber,

gekommen, dem Baron Douphal. Alfredo setzt sich an den Spieltisch. Violetta

bittet den Baron, Alfredo zu ignorieren.
Als die Gäste den Saal Richtung Abendessen verlassen, stehen sich
Alfredo und Violetta alleine gegenüber.
Die unglückliche Kurtisane bittet den jungen Vicomte, das Fest zu verlassen, sonst drohe
ihm Gefahr vom alten Baron. Aber Alfredo will nur gehen, wenn Vioeltta mitkommt.
‚Ach, geh, Unglückseliger, und vergiss meinen Namen, der mit Schande bedeckt ist.
Dir aus dem Wege zu gehen schwor ich einen Eid.’ – ‚Wem?’ – ‚Dem, der volles Recht dazu hatte!’

Violetta ist verzweifelt. Sie kann Alfredo nicht sagen, was sein eigener Vater verlangt hat.
Und so greift sie zu einer Lüge: ‚
Ich liebe Baron Douphol!’
Das Drama nimmt seinen Lauf.

Alfredo ruft alle Gäste zu sich und erzählt, blind vor Raserei, dass er tief in Violettas
Schuld stehe. Immerhin hat sie all ihr Geld ausgegeben, um ihn auszuhalten.
Und nun sei es an ihm, diese Schuld zu bezahlen, der Kurtisane ihren Lohn zu geben.
Und wirft ihr die Geldscheine, die er soeben am Spieltisch gewonnen hat ins Gesicht.




4.Akt

Ein armseliges Zimmerchen, das Schlafzimmer der kranken Violetta

Wieder ist einige Zeit vergangen. Violetta ist dem Tod geweiht und völlig verarmt.
Allein ihre Zofe Annina ist aus Treue noch bei ihr geblieben.
Krank liegt die ehemalige Schönheit auf dem Bett und schläft,
auf einem Schemel neben ihr sitzt Annina.
Der Doktor kommt, um die Kranke zu untersuchen, aber er hat keine guten Nachrichten.
Er flüstert der Zofe zu, das Violettas Schwindsucht sie innerhalb weniger Stunden töten werde.

Während vor dem Fenster das Pariser Volk Karneval feiert, breitet sich in der kleinen
Mansarde Verzweiflung aus. Violetta gibt sich tapfer und schickt Annina fort,
um Besorgungen zu machen von den letzten zwanzig Louisdor, die noch von ihrem einstigen
Vermögen übrig geblieben sind.
‚Geh und verteile die Hälfte davon an die Armen...’

Als Annina weg ist, zieht Violetta einen Brief des alten Germont hervor.

Er hat ihr geschrieben, dass Alfredo und der Baron Douphol sich in einem Duell gegenüber
gestanden haben, der Baron verwundet wurde und Alfredo ins Ausland abgereist sei.
Aber: Germont, von der menschlichen Größe der Kurtisane tief bewegt, habe seinem Sohn
alles gebeichtet. Der Sohn weiß nun, warum Violetta ihn wirklich verlassen hat.
Und nun will Alfredo zu Violetta zurückkehren, um sie um Vergebung zu bitten.
Auch er selber, der alte Vicomte wolle kommen...


Und tatsächlich, beide – Vater und Sohn – finden sich am Sterbebett der Kurtisane ein.
Alfredo schwört ihr ewige Liebe, der Vater  ist bereit, sie als Tochter anzuerkennen.
Doch es ist zu spät. Violetta, vom Liebesschwur noch einmal gestärkt, will aufstehen,
um mit Alfredo zur Kirche zu gehen – erleidet aber einen Schwächeanfall, sinkt auf ihr Bett
und stirbt in seinen Armen...
Wie gesagt: Es ist zum Heulen schön!




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