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Wolfgang Mozart - Cosi fan tutte
Opera buffa in zwei Akten


Inhaltsangabe:


In Verdis Rigoletto singt der Herzog von Mantua „La Donna e mobile“ - was soviel heißen soll,

wie alle Frauen sind unstete Schmetterlinge, die ihr Herz mal dem einen, mal dem

anderen schenken.  Mozart widmet diesem delikaten Thema gleich eine ganze Oper, Cosi fan tutte.

So sans halt, die Weiber. Und tritt in zwei Akten den Beweis an: Wie lange dauert es,

ein verliebtes Frauenherz zum nächsten Mann flattern zu lassen? Nicht mal einen halben Tag.

Die Cosi in Worte zu fassen ist schwierig. Denn das Stück an sich ist von Ironie und Witz

durchzogen, ohne jemals wirklich komisch zu werden. Im Gegenteil:
So heiter der kostümierte Wettstreit der beiden „Helden“ um ihre Frauenherzen auch ist,

die Musik bleibt melancholisch, manchmal sogar dramatisch (zumindest für

Mozarts Verhältnisse). Die Cosi ist ein ernsthaftes Psychogramm, wie verschieden Liebe

auf den Menschen wirkt, eingebettet in tragisch-schöne Musik.

1. Akt
Irgendwo in Neapel am Ende des 18 Jahrhunderts finden wir uns in einer Villa ein.

Mehr gibt es zu den Umständen des nun folgenden Tages nicht zu sagen. Geld spielt offensichtlich

keine Rolle, im Gegenteil: Um die beiden Hauptdarstellerinnen zu verstehen – nämlich die

Schwestern Fiordiligi und Dorabella – muss man sich in ihre Lebensumstände hineindenken. Zwei

reiche, verwöhnte Schwestern, denen das Leben eigentlich alles geschenkt hat, was man braucht,

um glücklich zu sein. Das klingt schon im Ansatz nach Langeweile. Den ganzen Tag in der eigenen Villa

herumsitzen und sich mit der Frisur und vielleicht ein paar Stickereien zu beschäftigen,

kann auf Dauer ziemlich zermürbend sein.  Einziges Highlight ist der Besuch der Liebhaber,

oder um es in keusche Bahnen zu lenken: der Verlobten. Nur in diesen Momenten haben

die beiden Schwestern einen Sinn in ihrem Leben, blühen auf, fühlen sich begehrt und sind

glücklich. Da kann man sich vorstellen, welche (halbernste) Tragik es darstellt, wenn

dieser Anker im sonst recht fad vor sich hinplätschernden Leben einer Frau auf einmal gelichtet wird.
Aber der Reihe nach:
Die beiden Schwestern, Fiordiligi und Dorabella, sind wie gesagt verliebt. Ihre Männer: zwei nicht

näher definierte Offiziere, Guglielmo und Fernando.

Nun wird es kurz technisch. Fiordiligi, in der Partitur ein Sopran, liebt Guglielmo, den Bariton.

Dorabella, meist gesungen von einem Mezzo, liebt wiederum Fernando, den Tenor. Das offenbart

die dem Stück zugrunde liegende musikalische Symmetrie. Sopran + Bariton versus Mezzo + Tenor.
Die weiteren einzigen Personen des Stückes sind ein etwas überdrehtes, oft schlechtlauniges

Kammermädchen Despina (Sopran), und der Freund des Hauses, Philosoph Don Alfonso, Bass.

Despina und Don Alfonso komplettieren die Symmetrie, auch wenn sie kein Liebespaar sind,

sondern sich offensichtlich nicht mal besonders mögen.

Die Oper beginnt mit einer Unterhaltung des alten Don Alfonso und der beiden jungen

Offiziere. Diese proklamieren lautstark, dass die beiden Schwestern Fiordiligi und Dorabella

sie so sehr lieben und sicherlich niiiie untreu werden könnten. Don Alfonso provoziert

die beiden Gecken und erklärt, jedes Frauenherz könne im Sturm der Liebe von einem anderen

Mann erobert werden können. Cosi fan tutte halt - so machen es alle Frauen. Nach einer

kurzen, heftig geführten Diskussion – inklusive Säbelziehen und Anschreien – lassen sich die beiden

in ihrer Ehre übertrieben gekränkten Offiziere auf eine Wette ein: Don Alfonso dürfe bis zur

Nacht machen, was er will, um zu beweisen, dass die beiden Schwestern im Grunde ihres Herzens

untreue Seelen sind. Das Verwirrspiel beginnt.

Dabei könnte alles so niedlich sein: Die beiden Frauen sitzen im Garten und schwärmen

sich gegenseitig vor, wie toll ihre Männer sind, und dass nichts ihre Liebe ins Wanken bringen

könnte. Aber in einer aufwändigen Inszenierung bringt Don Alfonso die schlimmstmögliche

Nachricht: Beide Offiziere müssten auf Geheiß des Königs in den Krieg ziehen. Es folgt eine großangelegte

Abschieds- Szene, zu der man sogar ein paar Bauern verpflichten konnte, die sich als Soldaten

verkleidet haben. Tränenreich nehmen die beiden Paare voneinander Abschied, die Offiziere besteigen

ein Schiff und segeln davon. Rührend, wie die zurückbleibenden Damen mit Don Alfonso dem

Schiff hinterherwinken – ein buttersüßes Terzett in der ungewöhnlichen Tonart E-dur, Gedämpfte

Geigen und über alles schwebende Bläsertöne vermitteln enrsthafte Trauer und Melancholie.


Auftritt Despina: Das übel gelaunte Kammermädchen der beiden Schwestern, dass lieber

selber Kakao trinken würde als ihn für die Herrinnen zuzubereiten, trifft auf zwei übertrieben

am Boden zerstörte Schwestern. Die Männer futsch, das Leben öd und leer - alles

erscheint plötzlich sinnlos. Was für eine Bescherung! Despina verkörpert in diesem Moment

die Haltung des Publikums: Mädels, reißt euch doch zusammen! Denn entweder

kehren die beiden siegreich aus dem Krieg zurück, oder - sollten sie doch im Gefecht fallen - 

werden sich bestimmt andere Männer finden, um ihren Platz als Liebhaber einzunehmen.

Die Schwestern sind entsetzt von Despinas losem Mundwerk. Don Alfonso nutzt

Despinas moralische Überzeugung zu seinen Gunsten: Er steckt ihr heimlich Geld zu,

damit sie ihm dabei helfe, Fiordiligi und Dorabella auf andere Männer aufmerksam zu machen.

Er habe da auch gleich zwei interessante Kandidaten an der Hand, zwei reiche Verehrer aus

dem Morgenland – sind es Türken oder Walachen? – die nur darauf warten würden,

die beiden Damen zu erobern.
Den besonderen Kniff des Don Alfonso würde man heutzutage Frauentausch nennen.

Denn der Tenor bemüht sich nun um die Gunst des Soprans, während sein Kamerad der

Bariton den Mezzosopran zu erweichen versucht.


Despina spielt mit, einmal um des Geldes Willen, einmal um ihre Herrinnen die List des

Überlebens zu lehren.  So betreten die beiden exotischen Herren das Haus. Man ahnt es:

Es sind Fernando und Guglielmo, verkleidet mit Turban und falschen Bärten. Und sie

legen sofort los und machen den beiden verlassenen Frauen den Hof, dass es nur so kracht.

Spätestens jetzt zeigen sich die verschiedenen Charaktere der Damen: Fiordiligi ist

entsetzt ob der dreisten Anmache und gibt sich hart wie ein Felsen im Sturm, Dorabella

ist da schon eher weich veranlagt und ist maximal irritiert ob der plötzlich neuen

Verehrer. Von Abneigung kann nicht wirklich die Rede sein. Nochmal zur Erinnerung:

Ihre Verlobten sind nun seit maximal einer Stunde aus dem Haus.


Die beiden verkleideten Helden ahnen, dass sie hier mit dem Feuer spielen und vielleicht

Dinge lernen, die sie gar nicht wissen wollen. Sie bitten Don Alfonso, das Experiment abzubrechen,

der beharrt aber auf dem Wetteinsatz - und zwingt sie, die Maskerade aufrecht zu erhalten.

Und so simulieren die beiden „verliebten Exoten“ einen Selbstmordversuch. Sie schlucken vor den

Augen der beiden Damen Gift, weil diese ihre Liebe so spontan nicht erwidern können. Der

eilig herbei gerufene Doktor ist in Wirklichkeit die verkleidete Despina, der es aber gerade noch

gelingt, die Männer zu retten. Zur weiteren Genesung müssten dann aber die beiden

Edeldamen ran. Und tatsächlich: Als die Männer aus dem Todeskampf wieder erwachen,

fordern Sie einen Kuss der Angebeteten, werden aber wiederum zurückgewiesen.


   

2. Akt
Noch einmal erklärt Despina ihren Damen, dass Treue völlig überschätzt werde.

Diese wälzen sich zwar in Selbstmitleid, weil ihre Verlobten über‘s Meer gefahren sind
und geben sich am Boden zerstört. Doch insgeheim wanken die beiden in ihrer moralischen
Grundfeste. Dorabella schwankt heftig, Fiordiligi scheint noch etwas standhafter.

Und so kommt es bei einem abendlich-romantischen Spaziergang durch den hauseigenen Garten,

wie es kommen muss: Dorabella erliegt den Annäherungsversuchen des Baritons und gibt

sich der neuen Liebe hin. Guglielmo triumphiert erst, merkt dann aber, welchen Verrat er damit

gleichzeitig an seinem besten Freund begangen hat.
Fiordiligi faßt – wohl in Unkenntis des Treuebruchs ihrer Schwester – einen beherzten Plan.

Sie wolle als Soldaten verkleidet ihrem Guglielmo auf das Schlachtfeld hinterher reisen, um an

seiner Seite zu sterben. Welche Melodramatik!  Aber mitten in ihrer Arie bricht ihre

Fassade endlich zusammen: Ja sie liebt. Guglielmo. UND den neuen Verehrer mit dem Turban!

Sie sei ob dieser Entwicklung selber schockiert, aber so ist es nun mal.
Und, wir erinnern uns: Die beiden ursprünglich Verlobten sind mittlerweile gerade mal seit

einem halben Tag aus dem Haus. Das ging wirklich schnell.


Don Alfonso muss nun die Scherben seiner Tat aufsammeln: Beide Männer verzweifelt, sauer,

bereit den Damen die untreuen Herzen aus der Brust zu reißen. Er beschwichtigt sie.

Immerhin seien alle Frauen so, Cosi fan tutte. Und er gibt zu bedenken, dass es keinen Sinn mache,

mit den Liebsten zu brechen. Andere Frauen wären nur noch untreuer! An dieser Stelle

versteht man dann auch, wieso die Zuschauer von Mozarts Uraufführung davon ausgingen,

dass die Oper ein Flop werden würde: Welche Frau im Publikum wolle sich schon auf

der Bühne als treulose Verräterin enttarnt sehen?
Aber, Mozart gibt sich Mühe doch noch ein moralisch einwandfreies Ende zu zaubern:

Er lässt Don Alfonso die Männer in Verkleidung zum finalen Teil seines Experimentes antreten.

Nachts, im Garten des Hauses, wird eine Hochzeitsfeier abgehalten. Da die Verlobten

wahrscheinlich im Krieg gefallen sind, willigen die Edeldamen ein und unterzeichnen einen

Ehevertrag mit den neuen Verehrern. Der anwesende Notar ist wieder die verkleidete Despina.


Mitten in der Eheschließung kündet aber ein Chor fröhlicher Bauern, dass die beiden Offiziere Guglielmo

und Fernando überraschend von ihrem Feldzug zurückkehren (Ja, nach gerade mal ein paar Stunden).

Schnell entledigen sich die Exoten ihrer Verkleidung und tauchen als erboste Verlobte wieder auf:

Was ist hier los? Was macht der Notar im Garten, und was sind das überhaupt für Eheverträge!? Alle

vergeben einander, fallen sich in die Arme und haben sich wieder lieb. Happy End.


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Lesen Sie hier (Einfach auf den Link klicken):
Die Münchner Inszenierung



Tipps der „OPERA BAVARIAE“-Redaktion:


Die beste Einspielung
Herbert von Karajan &
Philharmonia Orchestra London (EMI)
Elisabeth Schwarzkopf, Nan Merriman, Leopold Simoneau,
Rolando
Panerai, Lisa Otto



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Nicolaus Harnoncourt  &
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Diese DVD wird leider nicht mehr produziert -

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